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Tiefe Venenthrombose

Als Venenthrombose wird die akute Bildung eines Gerinnsels in einer der tiefen Leitvenen, sei es am Bein oder seltener auch am Arm, bezeichnet. Mögliche pathophysiologische Mechanismen der Gerinnselbildung sind ein verlangsamter Blutfluss, eine Wandverletzung der Vene oder eine vermehrte Gerinnbarkeit des Blutes. Die lokal gebildeten Gerinnsel können losgerissen und mit dem Blutstrom in die Lunge geschwemmt werden. Man spricht dann von einer Lungenembolie. Hauptsächliches Vorkommen der tiefen Venenthrombose sind die Venen der unteren Extremitäten.

Risikofaktoren

Als erworbene Risikofaktoren für die Entwicklung einer tiefen Venenthrombose gelten: Alter (nach dem 50. Lebensjahr steigt das Risiko an), Uebergewicht, längere Immobilisation (Bettlägerigkeit, Operationen, insbesondere orthopädische und neurochirurgische Operationen), eine Tumorerkrankung bzw. die dazugehörige Chemotherapie, längere Flug- oder Carreisen (>4 Stunden), die Schwangerschaft und das Wochenbett, eine vermehrte Gerinnbarkeit des Blutes (Antiphospholipid-Syndrom, Hyperhomocysteinämie) sowie die Einahme von Ostrogenhaltigen Medikamenten (Pille, postmenopausale Oestrogene).

Es gibt auch hereditäre, vererbte Risiko-faktoren: darunter fallen als wichtigste die Faktor V Leiden Mutation, die Prothrombin-Mutation sowie der Mangel an Protein C, Protein S oder Antithrombin.

Charakteristische Beschwerden einer tiefen Beinvenen-Thrombose sind eine schmerzhafte Schwellung am Bein oder Unterschenkel verbunden mit einer bläulich-rötlichen Verfärbung der Haut. Es besteht eine Zunahme der Schmerzen bei Tieflagerung des Beines und eine Erleichterung bei Hochlagerung.


Die Abklärungsmethode

Die Abklärungsmethode der Wahl ist heute die farbkodierte Duplexsonographie. Diese Ultra-schalluntersuchung ist nicht invasiv und überall innert nützlicher Frist verfügbar. Mit ihrer Hilfe kann eine Thrombose mit grosser Sicherheit nachgewiesen oder ausgeschlossen werden. Sie hat überdies den Vorteil, dass gleichzeitig andere Ursachen von Beinschmerzen abgegrenzt werden können, z.B. ein Muskelriss oder ein Bluterguss. Nur selten braucht es heutzutage noch eine (invasive) Venendarstellung mit Kontrastmittel (Phleobographie). Es sollte nie eine längerdauernde Thrombosebehandlung eingeleitet werden ohne dass diese mittels farbcodierter Duplexsonographie eindeutig nachgewiesen worden ist.

Therapien

Wichtigste Therapie der tiefen Venenthrombose ist die Antikoagulation (Blutverdünnung), anfänglich in Form von subcutanen Injektionen von niedermolekularem Heparin. Ueberlappend wird eine orale Antikoagulation (OAK) mit Vitamin K Antagonisten in Tablettenform aufgenommen, die, wenn gut eingestellt, die Heparintherapie ersetzt. Ziel der Antikoagulation ist zu verhindern, dass sich die Thrombose weiter ausdehnt. Den Abbau der gebildeten Gerinnsel übernehmen gerinnselauflösende Fermente im Blut.

In seltenen Fällen (Beckenvenenthrombose bei jungen Patienten) kann, nach interdisziplinärer Diskussion mit einem Gefässchirurgen, eine chirurgische Thrombektomie erwogen werden.

Zielwert für die Einstellung der oralen Antikoagulation ist der INR-Wert (International normalized ratio), ein international vergleichbares Mass für die Intensität der OAK. Der Ziel-INR-Bereich bei der tiefen Venenthrombose ist in der Regel INR 2.0 – 3.0. Die OAK ist gut eingestellt, wenn mindestens 60% der gemessenen INR Werte innerhalb des angestrebten Bereiches liegen. Es empfehlen sich regelmässige INR-Kontrollen alle 2 bis maximal 4 Wochen, anfangs und bei Komplikationen häufiger. Die Intensitätsangabe in Form von Quick-%-Werten sollte wegen der fehlenden Vergleichbarkeit mit anderen Laboratorien verlassen werden. (Bezüglich Nebenwirkungen der Vitamin-K Antagonisten (Marcoumar, Sintrom) siehe unter www.documed.ch).




Die Dauer der OAK hängt vom Ausmass der Thrombose und deren Umstände bzw. Entstehungsgründe ab. Bei rezidivierenden Thrombosen muss eine Langzeit-Antikoagulation durchgeführt werden. Auf entsprechenden Wunsch haben Patienten mit Notwendigkeit zur Langzeitantikoagulation die Möglichkeit, die Selbstkontrolle der OAK zu erlernen. Sie werden im Rahmen einer Schulung in der Selbstmessung des INR-Wertes geschult und lernen, die Dosis ihres Antikoagulans selbst zu bestimmen (www.coagulationcare.ch).

Um das Auftreten eines postthrombotischen Syndrom zu verhindern muss begleitend eine Kompressionstherapie mit einem Unterschenkel- oder Oberschenkel-Kompressionsstrumpf der Klasse II durchgeführt werden. Unter dem posthrombotischen Syndrom versteht man ein Beschwerdebild, das Monate bis Jahre nach einer durchgemachten tiefen Venenthrombose auftreten kann und eine chronische Schwellung

des Beines mit zunehmender Hautveränderung im Knöchelbereich, welche letzlich bis zur Ulcusbildung, d.h. zum „offenen Bein“ führen kann, umfasst. Es wird empfohlen, die Kompressionstherapie nach Venenthrombose mindestens 1-2 Jahre konsequent durchzuführen, d.h. der Strumpf sollte täglich morgens nach dem Aufstehen angelegt und erst abends vor dem Zubettgehen wieder abgelegt werden. Auch später empfiehlt es sich, den Strumpf in Belastungssituationen wie langem Stehen oder Sitzen anzuziehen.

Das Rezidiv-Risiko nach tiefer Venenthrombose, d.h. das Risiko, nach durchgemachter Thrombose erneut eine solche zu erleiden, ist erhöht. Es muss deshalb unbedingt in Thrombose-Risikosituationen eine Prophylaxe durchgeführt werden. Diese umfasst genügend Bewegung, genügende Flüssigkeitszufuhr und eine Kompression mit elastischer Binde oder einem Strumpf. Meistens empfiehlt sich auch

die zusätzliche Gabe von niedermolekularem Heparin in prophylaktischer Dosierung. Die gut eingestellte, orale Antikoagulation ist eine ausgezeichnete Prophylaxe, so dass nicht zusätzlich niedermolekulares Heparin gespritzt werden muss.

Wichtigste Risikosituationen für eine Rezidivthrombose sind: Immobilisation, Bettlägerigkeit, Operation sowie lange Flug- oder Carreise. Patientinnen mit Zustand nach tiefer Venenthrombose sollten keine oestrogenhaltige Pille einnhehmen wenn sie nicht antikoaguliert sind. Bei postmenopausalem Oestrogeneinsatz ist grösste Vorsicht geboten.

Da die Therapie der tiefen Venenthrombose sehr individuell ist muss jeder Betroffene gut informiert sein. Wenden Sie sich deshalb bei Fragen oder Unklarheiten unverzüglich an Ihren Hausarzt oder einen Gefässspezialisten.